Die Schwemme – Ein Rückblick in die alten Zeiten

Der Zeitpunkt der definitiven Gründung der SCHWEMME konnte von uns leider nicht mehr verifiziert werden (entgegen einiger Vermutungen liegt unsere Wohnheim- und Studienzeit doch noch nicht so lange zurück). Auf jeden Fall war die SCHWEMME in den 80-er Jahren als reine Flaschenbierausgabe schon existent und neben dem TV-Club (damals noch unser seliger in der Johannesallee…) eine unter Studenten beliebte und wohlbekannte Einrichtung; eine in DDR-Zeiten durchaus als kulturelle FDJ-Aktivität abrechenbare Institution.

Montag und Dienstag abend traf man sich hier zu einem wohlgepflegten Bierchen oder einem Schnäpschen (manchmal waren es wohl auch mehr). Zum Leidwesen der Professoren und Dozenten wurden dem Wissens-Reproduktionsprogramm der Studenten damit neben dem Donnerstag (TV-Club) auch noch weitere zwei (oder drei) Abende entzogen.

Im Gegensatz zu heute musste man allerdings nicht ab-, sondern aufsteigen – und zwar in die 8 Etage. Eine gute Ausrede (für sich selbst oder andere) stellte der Fahrstuhl dar. Wenn es überhaupt funktionierte, hielt das verdammte Ding mal wieder nicht in der gewünschten Etage an und fuhr einfach bis zur Endstation in die 8. Je nach Bekanntheitsgrad wurde man mit lautem Hallo begrüßt. Nun einmal hier, konnte man doch schnell ein Bierchen trinken, bevor man sich wieder der Knochen, Eingeweide, Bakterien oder Viren annahm. Allerdings waren zuerst der Frühstücksraum und später der Putzraum 8 als damalige SCHWEMME dem Ansturm der Veti’s und zukünftigen Landwirte nicht gewachsen, so dass das Treppenhaus ebenfalls als „kulturelles Kommunikationszentrum diente. Damals wohnte nämlich fast alle auswärtigen „Vetis“ im Haus 1, die „Hirten“ im Haus 2.

Leider endete der Ausschank bereits 24.00 Uhr, so dass meist noch reichlich Flaschen (Wein und Bier) auf die Zimmer mitgeführt wurden. Immerhin musste man ja auch zur ersten Vorlesung 7.15 Uhr wieder fit sein (Anwesenheitspflicht!!). Bier gab es lange Zeit nur in Flaschenform, dafür war es das legendäre Silberpils – „Silberpfeil“ zu 69 Pfennig oder Helles zu 49 Pfennigen. Im Sommer 1990 war es dann soweit. Die DM nahm Einzug in den Osten Deutschlands und damit auch in die SCHWEMME. Jetzt mussten harte Märker auf den Tisch gelegt werden. Die heutige Euro-Umstellung ruft dabei nur ein müdes Lächeln hervor. Unsere Kiste, in der bis zum 30. Juni nur Ostmark lagen, wurde geleert und ab dem nächsten Tag fortan mit DM gefüllt, das war’s dann auch schon.

Marktwirtschaftlich weitergebildet (im Crashkurs) und mit einem nun auch westlichen Angebot (Warsteiner, Marlboro, Jägermeister, sogar Rosentaler Kardarka) stellten wir uns der Konkurrenz von Matheclub…. Mittlerweile gab es das Bier nun auch vom Fass. Leider fehlte noch immer ein Wasseranschluss. Beim allabendlichen Andrang wurde es dann schon schwierig, den Alkoholgehalt in der Schüssel zum Spülen der Gläser unter 5 % zu halten. Gegen 22.00 Uhr konnte man das Spülwasser dann schon mal als „Light-Bier“ ausschenken. Kenner behielten ihr Glas beim Ausschank dann auch im Auge und weigerten sich standhaft, dass ihr Glas ausgewaschen wurde – unter hygienischen Gesichtspunkten eine weise Entscheidung. Ap propo Hygiene, eine Hygienekontrolle wurde in der SCHWEMME nie durchgeführt (wenn man von der Heimleiterin Frau Lambarski mit ihrem einnehmenden Wesen einmal absah). Sie hätte, was den Bierausschank und vor allem die Gläserwäsche betraf, wohl unweigerlich zur Schließung geführt.

Auch die Öffnungszeiten hatten sich – unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten – der neuen Zeit angepasst: Montag, Dienstag, Mittwoch war geöffnet. Am Sonntag wurde dann später sogar der öde Anreise-Abend versüsst, indem man ab 21 Uhr einkehren konnte; selbst am Donnerstag stand die Tür für TV-Clubmuffel offen.

Und 24.00 Uhr war natürlich noch lange kein Feierabend. Die Schließung korrelierte vielmehr positiv mit der Trinkfestigkeit der Gäste und der Ausdauer der diensthabenden SCHWEMMEbesatzung. Später gab es dann auch einen Wasseranschluss und somit Bier aus sauberen Gläsern. Nur die Preise stiegen. Obwohl die DM so hart war, bekam man letztendlich für 69 D-Pfennige nur noch ein ¼ Bier. Kein Wunder, dass unbedingt eine Bafög-Erhöhung notwendig wurde.

Mit dem Umbau des Wohnheimes kam die SCHWEMME dann in den Keller. Dieser Umzug entzog sich unserem Tatendrang, da wir als nunmehr promovierte Veti’s voll in den Tagesablauf unserer Institute eingebunden waren und die Studenten kaum noch in der Schwemme, sondern eher im Seminar und Histokurs trafen.

Gerd Möbius, Uwe Kosar und Thomas Ludewig, Matthias Wingfeld

Kommentare

  1. ohh ja.. die alten Zeiten.. wer vermisst nicht die guten alten Zeiten?? ;-)

    by TV Club am 9. August 2011

Kommentar schreiben